
BGM-109 Tomahawk Rakete: Reichweite, Hersteller, Fakten
Was haben ein 1,5-Tonnen-Koloss aus den 1970er Jahren und die aktuelle deutsche Rüstungsdebatte gemeinsam? Die BGM-109 Tomahawk steht seit über vier Jahrzehnten im Zentrum maritimer Militärstrategie – und seit Kurzem auch im Fokus der Bundeswehr-Planung. Das US-Raketensystem mit einer Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern wird derzeit von Washington als mögliches Präzisionsinstrument für die Ukraine gehandelt, während Deutschland eigene Beschaffungspläne vorantreibt.
Reichweite: langstreckig (über 1.000 km) · Hersteller: Raytheon (RTX Corporation) · Startplattform: Schiffe und U-Boote · Geschwindigkeit: unter Schallgeschwindigkeit · Einsatzzweck: Landangriff
Kurzüberblick
- Subsonische Geschwindigkeit bei 880 km/h (Stuttgarter Zeitung)
- Landangriffsrolle als Hauptzweck (Wikipedia)
- Herstellung durch Raytheon (RTX Corporation) (Handelsblatt)
- Exakter aktueller Stückpreis (Wikipedia)
- Aktuelle nukleare Einsatzfähigkeit (Wikipedia)
- Detaillierte Spezifikationen der Block-V-Upgrades (Bessere Welt)
- Entwicklung seit 1972 bei General Dynamics (Wikipedia)
- Erster Kampfeinsatz 1991 in der Operation Desert Storm (Stuttgarter Zeitung)
- Letzter dokumentierter Einsatz Juni 2025 gegen Iran-Atomanlagen (Stuttgarter Zeitung)
- Bundeswehr plant Stationierung von 400 Einheiten in Wiesbaden ab 2025 (Handelsblatt)
- USA prüfen Lieferung an Ukraine für Präzisionsschläge (Stuttgarter Zeitung)
- Block-V-Upgrades ab 2026 mit über 2.000 km Reichweite geplant (Bessere Welt)
| Attribut | Wert |
|---|---|
| Bezeichnung | BGM-109 Tomahawk |
| Typ | Marschflugkörper |
| Hersteller | Raytheon (ehemals General Dynamics) |
| Reichweite | 460–2.500 km (je nach Block) |
| Startplattformen | Schiffe, U-Boote |
| Einführungsjahr | 1983 |
| Geschwindigkeit | 880 km/h |
| Spannweite | 2,672 m |
| Gewicht | 1,5 Tonnen |
| Sprengkopf | 450 kg |
Was ist der BGM-109 Tomahawk?
Der BGM-109 Tomahawk ist ein subsonischer Marschflugkörper, der von Schiffen und U-Booten aus startet und Landziele in großer Entfernung präzise angreift. Entwickelt ab 1972 vom Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory unter Leitung von James H. Walker, kam das System 1983 offiziell in den US-Marine-Dienst. Das Triebwerk Williams F107-WR-402 ermöglicht Geschwindigkeiten von 880 km/h bei Flughöhen von wenigen Dutzend Metern.
Geschichte und Entwicklung
Die Geschichte der Tomahawk beginnt in den 1970er Jahren bei General Dynamics – heute Teil von Raytheon. Die ursprüngliche Bezeichnung BGM-109 wurde 1986 in RGM-109 für Schiffstart und UGM-109 für U-Boot-Start geändert. Eine geplante Luftvariante AGM-109 wurde bereits 1980 zugunsten der AGM-86 ALCM eingestellt. Der erste Kampfeinsatz erfolgte am 17. Januar 1991 während der Operation Desert Storm.
Technische Grundlagen
Mit einem Gewicht von 1,5 Tonnen und einem 450-Kilogramm-Sprengkopf erreicht die Tomahawk ihre Ziele mit einer circular error probable (CEP) von 5–15 Metern bei neueren Blöcken. Die Treibstoffversorgung erfolgt durch einen integrierten Turbofan, der eine Reichweite von 460 bis 2.500 Kilometern je nach Block-Version ermöglicht.
Was ist die Reichweite der Tomahawk BGM-109?
Die Reichweite der BGM-109 variiert erheblich je nach Block-Version und Einsatzbedingungen. Der aktuelle Block IV erreicht rund 1.600 Kilometer, während die neuesten Varianten ab 2026 die 2.000-Kilometer-Marke überschreiten sollen.
Vergleich mit Varianten
- Block II/III: 460–900 km Reichweite
- Block IV: ca. 1.600 km Reichweite, CEP 10 m
- Block V (ab 2026): über 2.000 km Reichweite
- Historische Varianten mit bis zu 2.500 km
Einsatzfaktoren
Die tatsächliche Reichweite hängt von der Flughöhe, dem Geländeprofil und der Nutzlast ab. Niedrig fliegende Tomahawks erreichen Ziele in 1.600 Kilometern Entfernung bei einer Geschwindigkeit von 880 km/h.
Die Reichweite von über 1.600 Kilometern beim Block IV übertrifft die der ATACMS-Raketen, die seit 2023 an die Ukraine geliefert werden, um das Fünffache. Für europäische Streitkräfte bedeutet dies die Fähigkeit, Ziele tief im feindlichen Territorium zu erreichen, ohne eigene Truppen in Reichweite bringen zu müssen.
Wer stellt den BGM-109 Tomahawk her?
Raytheon Missile Systems – ein Geschäftsbereich der RTX Corporation – ist der primäre Hersteller des Tomahawk-Systems. Das Unternehmen mit Sitz in Tucson, Arizona, führt die Entwicklung und Produktion seit der Übernahme von General Dynamics’ Rüstungssparte durch.
Unternehmen und Eigentümer
Die RTX Corporation (ehemals Raytheon Company) ist ein US-amerikanisches Verteidigungs- und Technologieunternehmen mit einem Jahresumsatz von über 70 Milliarden US-Dollar. Der Konzern gehört zu den größten Rüstungsproduzenten weltweit und beliefert neben der US-Marine auch verbündete Nationen.
Produktionsdetails
Die Produktionskapazitäten wurden zuletzt 2024 erhöht, um die steigende Nachfrage durch internationale Kunden zu bedienen. Laut US-Marine-Finanzunterlagen wurden bisher 8.959 Tomahawks produziert.
Raytheon kontrolliert die gesamte Tomahawk-Produktionskette. Für internationale Abnehmer resultiert daraus eine eingeschränkte Verhandlungsposition bei Preis und Lieferzeiten – ein Faktor, der europäische Alternativen attraktiver machen könnte.
Kann eine Tomahawk-Marschflugkörper einen Atomsprengkopf tragen?
Historisch verfügte die Tomahawk über nukleare Varianten. Die US-Streitkräfte setzten konventionelle und nukleare Tomahawk-Versionen ein, wobei die nukleare Variante W80-Stsprengköpfe tragen konnte. Seit den 1990er Jahren konzentriert sich der Einsatz jedoch auf konventionelle Nutzlasten.
Waffenvarianten
- Tactical Tomahawk (Block IV): primär konventionell
- Historische TLAM-N: nukleare Variante mit W80
- Block V: Modernisierung konventioneller Fähigkeiten
Historische Nutzung
Während des Kalten Krieges diente die Tomahawk als Abschreckungswaffe mit nuklearer Komponente. Seit dem Ende des Kalten Krieges und verstärkt nach 1991 beschränken sich die Einsätze auf konventionelle Sprengköpfe.
Tomahawk vs. andere Raketen: Vergleiche
Der Tomahawk-Vergleich mit europäischen und internationalen Systemen offenbart erhebliche Reichweiten- und Strategieunterschiede. Die Entscheidung der Bundeswehr für Tomahawk statt europäischer Alternativen reflektiert diese Disparitäten.
Gegen Taurus KEPD 350
Der Taurus KEPD 350 der Bundeswehr erreicht lediglich 500 Kilometer Reichweite – weniger als ein Drittel der Tomahawk-Kapazität. Diese Diskrepanz erklärt die aktuelle Debatte um die Nachrüstung deutscher U-Boote mit US-Systemen.
Gegen BrahMos und 9M729
Indien und Russland betreiben Marschflugkörpersysteme: BrahMos (indisch-russische Kooperation) erreicht ca. 300 km, während das russische 9M729-System eine umstrittene Reichweite von über 500 km aufweist.
Die Reichweitenunterschiede zeigen sich besonders in der Übersichtstabelle: Während Tomahawk bei See- und U-Boot-Startpunkten mit bis zu 1.600 km operiert, sind luftgestützte Systeme wie Taurus oder Storm Shadow an Flugplattformen gebunden.
| System | Reichweite | Startplattform | Typ |
|---|---|---|---|
| BGM-109 Tomahawk Block IV | 1.600 km | See/Land | Subsonisch |
| Taurus KEPD 350 | 500 km | Luft | Subsonisch |
| JASSM-ER | 1.000 km | Luft | Subsonisch |
| Storm Shadow/SCALP | 560+ km | Luft | Subsonisch |
| MdCN (Frankreich) | 300–500 km (unsicher) | See | Subsonisch |
| ATACMS | ~320 km | Boden | Ballistisch |
Drei verschiedene Marschflugkörpersysteme – drei unterschiedliche Strategien: Die Tomahawk dominiert bei see- und U-Boot-gestützten Landangriffen mit der größten Reichweite.
Bestätigte Fakten
- Subsonische Geschwindigkeit bei 880 km/h
- Landangriffsrolle als Hauptzweck
- Raytheon als Hersteller
- Entwicklung seit 1972
- 8.959 produzierte Einheiten
- Über 2.350 im Kampfeinsatz
Unklare Aspekte
- Exakter aktueller Stückpreis
- Aktuelle nukleare Einsatzfähigkeit
- Detaillierte Spezifikationen Block V
- Geplante Preise für deutsche Beschaffung
Die Ausführung BGM-109 kann mit einer Geschwindigkeit von 880 Stundenkilometern Ziele in 1.600 Kilometern Entfernung erreichen.
Die Reichweite ist fünfmal größer als die der ATACMS-Raketen.
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Häufig gestellte Fragen
Was macht die Tomahawk-Rakete einzigartig?
Die Kombination aus U-Boot-Täglichkeit (niedrig fliegend, schwer zu erkennen), langer Reichweite (bis 2.500 km) und Präzision (CEP unter 10 m) macht den Tomahawk zu einem der vielseitigsten Marschflugkörper weltweit.
Wie funktioniert die Lenkung der BGM-109?
Moderne Tomahawks nutzen GPS- und Trägheitsnavigationssysteme kombiniert mit Terrain-Matching. Der Block IV erreicht eine CEP von ca. 10 Metern, neuere Versionen verbessern dies auf unter 5 Meter.
Welche Länder nutzen die Tomahawk?
Primär nutzen die USA das System. Großbritannien verfügte über seegebundene Tomahawk, Deutschland plant die Beschaffung von 400 Einheiten für Marine und Heer ab 2025.
Was ist der Unterschied zu Ballistic Missiles?
Marschflugkörper wie Tomahawk fliegen unter Schallgeschwindigkeit und nutzen Terrain-Folgung, während ballistische Raketen schneller und auf ballistischen Bahnen operieren. Tomahawk bietet geringere Geschwindigkeit, aber höhere Flexibilität und Präzision.
Gibt es Zivilanwendungen für Tomahawk?
Nein. Die Tomahawk ist ein reines Militärsystem ohne zivile Anwendungen. Die zugrundeliegende Technologie für Navigation und Antrieb findet sich jedoch in zivilen Drohnen und UAV-Systemen.
Welche Upgrades hat Block V?
Das Block-V-Upgrade umfasst verbesserte Navigationssysteme, erhöhte Reichweite (über 2.000 km ab 2026) und moderne Kommunikationsfähigkeiten für Netzwerkzentrierte Kriegsführung.
Wie wird die Tomahawk-Rakete getestet?
Testschüsse erfolgen von speziellen Testschiffen und U-Booten vor der Küste Kaliforniens. Die US Navy führt regelmäßig Feuerproben durch, um die Zuverlässigkeit zu validieren.
Die geplante Beschaffung von 400 Tomahawks mit bis zu 2.500 Kilometern Reichweite verschiebt die Fähigkeitsgrenzen der Bundeswehr erheblich nach Osten. Deutschland trifft damit eine strategische Entscheidung zugunsten des US-Systems gegenüber europäischen Alternativen wie Taurus – mit langfristigen Konsequenzen für die Rüstungsindustrie in Europa.